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Donnerstag, 12. September 2013

Städte des Jazz: New Orleans

New Orleans wird im Allgemeinen als der Geburtsort des Jazz bezeichnet. Wenngleich es auch in anderen Teilen der USA ähnliche musikalische Entwicklungen gab, waren die Voraussetzungen für die Entwicklungen des Jazz hier am besten. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts bestand die Bevölkerung in New Orleans je zur Hälfte aus Schwarzen und Weißen. Zugleich herrschte ein starker Zuwachs an Sklaven, was zu einer Erfrischung der Kulturen führte.


Um 1880 herum begannen kreolische Musiker auf dem Congo-Square Musik in Form eines Ruf-Antwort (Call and Response) Musters aufzuführen. Dabei mischten sie afrikanische mit europäischen Instrumenten und sangen in kreolischem Patois.


Nach 1890 verschlimmerte sich die Rassendiskriminierung und Weiße verdrängten die gebildeten kreolischen Schwarzen aus den besseren Wohngegenden. So waren sie gezwungen "uptown" zu ziehen. Dadurch verstärkte sich die Ghettobildung, so war es aber auch möglich, dass die gebildeten Kreolen auf bluesige und erdige Musik trafen, die sie vorher so noch nicht kannten. Diese neue, rauere Musik gepaart mit den Kenntnissen der Kreolen schufen eine neue Form der Musik.


1897 wurde das erste legale Amüsierviertel in New Orleans gegründet, was was die Entwicklung des Jazz weiter vorantrieb. Die wirtschaftliche Situation der Kreolen verschlechterte sich zu dieser Zeit immer mehr und viele junge Pianisten fanden dort ein neues Einkommen. Im Laufe der Zeit vermischten sich außerdem die europäische und afrikanische Kultur immer weiter.


Eine typische Band aus New Orleans bestand damals aus Blechbläsern und Schlagzeug der Blaskapellen, Klarinetten der eher gebildeten und einem Banjo oder einer Gitarre aus dem Blues.


Bekannte Musiker aus New Orleans zu Anfang des 20. Jahrhunderts


Buddy Bolden: großartiger Bläser, der jedoch 1907 einen Amoklauf beging und in einer psychischen Anstalt landete. Er formte die Elemente der Pre-Jazz Musik um.


Joe "King" Oliver: Kornettist und Lehrer und Mentor von Louis Armstrong.


Louis Daniel Armstrong: einer der berühmtesten Jazzmusiker, der das Kornettspiel Anfang des 20. Jahrhunderts in einem Heim für straffällige Jugendliche lernte.


Sidney Bechet: kreolischer Sopransaxophonist und Klarinettist. Bechet war neben Jelly Roll Morton und Louis Armstrong einer der wichtigen Solisten des frühen Jazz.


Jelly Roll Morton: Pianist, Komponist und Bandleader und einer der einflussreichsten Musiker dieser Zeit.


Freddie Keppard: Korenettist, der als einer der Nachfolger von Buddy Bolden gilt.


Bunk Johnson: Kornettist und Trompeter. Er gilt als die Zentralfigur des New Orleans-Revivals.


Wegmarken der 1920er Jahre


1920: Duke Ellington gründet mit Sonny Greer eine Amateur-Tanzkapelle. Die Prohibition wird eingeführt. Sie fördert indirekt den Jazz, der in illegalen Kneipen eine dankbare Bühne findet.


1921: Bessie Smith, die "Königin des Blues" wird zur führenden schwarzen Sängerin der 20er Jahre.


1922: King Oliver holte Louis Armstrong nach Chicago.


1924: Ethel Waters und andere Entertainer von N.B.C. verbreiten die neue Musik in ihren Sendungen.


1925: Louis Armstrong nimmt mit den "Hot Five" einige Alben auf, die später als Jazzklassiker gelten.


1926: Earl Hines ist der erste Klaviervirtuose des Jazz. Junge weiße Musiker entwickeln den Chicago Jazz, eine schnelle, intensive Version des New Orleans-Jazz.


1928: In Chicago erhält der Jazz einen schweren Schlag, als beschlossen wird, entschlossen gegen die organisierte Kriminalität vorzugehen.

Mittwoch, 11. September 2013

Die Ursprünge des Jazz

Obwohl Jazz eine vergleichsweise junge Musikform ist, reichen deren Wurzeln weit zurück. Als versklavte Schwarze aus Westafrika nach Amerika verschleppt wurden, brachten sie neben ihrer Arbeitskraft auch ihre Kultur und Religion mit. Dabei vermischten sich nicht nur die Kulturen und Traditionen der verschiedenen Länder Afrikas untereinander, sondern verschmolzen auch mit der europäisch geprägten amerikanischen Kultur. Dies war möglich, weil die Sklavenhalter in Amerika die Kultur der Sklaven weniger stark unterdrückten, als der britische Protestantismus, der das Tanzen und Trommeln verbot. Zwei entscheidende Elemente der westafrikanischen Kultur und Religion. Die "Toleranz" der Sklavenhalter war aber weniger humanistisch, als mit Hinblick auf die Arbeitsleistung der Feldarbeiter geprägt, die durch das Singen ihre Stimmung und so auch deren Arbeitsleistung verbesserten.

In der westafrikanischen Musik dominieren Rhythmus über Melodie und Harmonik. Das hatte das Musikgefühl der verschiedenen Kulturen Westafrikas gemeinsam. Das melodische Verständnis unterschied sich jedoch von dem europäischen Verständnis von Melodik jedoch nicht so stark, dass insbesondere in Bezug auf den Gesang keine gemeinsame Basis gefunden werden konnte. In der europäischen Musik legte man jedoch einen besonderen Wert auf klangliche Reinheit und Geradlinigkeit. Durch das Sprachverhalten der Westafrikaner geprägt, sangen die Sklaven jedoch rauher, mit gebogenen und ausgeschliffenen Tönen.

Ebenso die Rhythmik der afrikanischen Musik unterschied sich von der europäischen. Besonders in den religiösen Zeremonien spielten die Trommelensembles eine wichtige Rolle. Sie spielten oft in triolischen Gruppierungen, leicht gegeneinander verschoben und sich gegenseitig überlappend. Dieses Konzept war in der europäischen Musik völlig unbekannt. Aus all diesen Elementen entstand das, was später Jazz genannte werden sollte.

Eine wichtige Quelle für den Jazz waren auch die Worksongs, in denen sich schon früh die afrikanische und amerikanische Kultur und Sprache vereinen sollten. Diese, auch musikalisch, neue Kultur entstand, weil sich durch das Verschleppen der Schwarzen ein schleichender Identitätsverlust einstellte, der durch eine Vermischung der vorherrschenden Kulturen ersetzt wurde.

Ein wichtiges Element des Jazz, das "Call and Response", findet seine Ursprünge in den Kirchen, bei denen schwarze Prediger Psalmen aus der Bibel vorredeten, die die Kirchfänger dann wiederholten. Bekannt für diese Form des rhythmischen Predigens ist der schwarze Pastor Black Harry, der im sogenannten lining-out-Stil Psalmen mit der Intonation afrikanischer Sprache vortrug. Diese Form des Call and Response findet sich musikalisch später auch im Gesang des Gospel, oder dem Austauschen von Riffs durch Instrumentengruppen in Big Bands.

Die direkteste Basis für den Jazz ist der Blues - eine Mischung aus ländlicher afroamerikanischer Musik mit den Harmonien europäischer Kirchenlieder. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts kamen dann noch weitere mehr oder weniger stark ausgeprägte Einflüsse hinzu: Minstrelsy, Spirituals und Ragtime.

Minstrels waren Karikaturen dessen, was die Weißen für das ursprüngliche Leben der Schwarzen hielten. Diese wurden dann durch geschminkte weiße Schauspieler auf der Bühne dargestellt. Zwar hatten die Minstrels nur sehr geringen Einfluss auf die Musikform des Jazz, aber durch die Minstrels kamen die Weißen mit einigen Elementen der schwarzen Kultur in Kontakt.

Ragtime (eng.: ragged - zerrissen) entlehnte sich aus der leichten klassischen Klaviermusik. Er beruht auf einer stetigen marschartigen linken Hand, die mit der rechten kontrastiert wird. Der Ragtime hat einen freundlichen und optimistischen Charakter. Der frühe Jazz übernahm später einige Elemente des Ragtime, wie Beats und Marschrhythmik.

Das erste Jazzalbum wurde 1917 ironischerweise von einer mit weißen Musikern besetzten Band aufgenommen - der Original Dixieland Jazzband aus New York. Der Jazz hatte sich aber schon lange zuvor im Verborgenen entwickelt. Im Blues, der Plantagenmusik, im Boogie, dem Ragtime, den Marchin-Bands, den Begräbnis-Kapellen und der Musik, die in den Bordellen gespielt wurde.

Der Begriff "Jazz"

 

Woher der Begriff "Jazz" stammt, ist nicht eindeutig geklärt. 1909 tauchte der Befriff in dem Song "Uncle Josh in Society“ auf: „One lady asked me if I danced the jazz …". Zuvor sprach man in diesem Zusammenhang von "Hot Ragtime" oder einfach Ragtime. Zu Anfang schrieb man das Wort Jazz auch "Jass", was die Vermutung unterstützt, das Wort leite sich aus dem kreolischen Patois ab, in dessen Sprache es eine rege Aktivität im sexuellen Bereich beschreibt. Auch eine Ableitung aus dem französischen Begriff "jasm" - Energie, Dynamik, Vitalität wird vermutet.

Wichtige Wegmarken des Jazz

 

1900-1902: Geburt von Louis Armstrong am 4. August 1901
1903-1904: Jelly Roll Morton behauptet, er habe durch die Glättung des Ragtime Beats den Jazz erfunden
1905-1906: W. C. Handy formailisiert den Blues, notiert zuvor nur mündlich überlieferte Musik und schriebt Songs wie den brühmten St. Louis Blues
1911-1912: Weiße Musiker kopieren die von schwarzen kreierte Musik, wie die Reliance Brass Band oder die Original Dixieland Jazz Band
1913-1914: Die Schallplatte wird weiterentwickelt und ermöglicht es, Musik zuhause auf Plattenspielern zu hören.
1915-1916: Der Jazz verbreitet sich. Bands aus New Orleans spielen in Kalifornien und am Broadway.
1917-1918: Die erste Jazz-Schallplatte von der Original Dixieland Jazz Band erscheint 1917.
1919-1920: der bedeutende Poasunist Kid Ory ausNew Orleans gehtnach Los Angeles und gründet dort eine Jazz Band. Der Jazz findet so ein neues Publikum. Zur gleichen Zeit spielt Louis Armstrong regelmäßig auf Flussdampfern als Musiker.