New Orleans wird im Allgemeinen als der Geburtsort des Jazz
bezeichnet. Wenngleich es auch in anderen Teilen der USA ähnliche
musikalische Entwicklungen gab, waren die Voraussetzungen für die
Entwicklungen des Jazz hier am besten. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts
bestand die Bevölkerung in New Orleans je zur Hälfte aus Schwarzen
und Weißen. Zugleich herrschte ein starker Zuwachs an Sklaven, was
zu einer Erfrischung der Kulturen führte.
Um 1880 herum begannen kreolische Musiker auf dem Congo-Square
Musik in Form eines Ruf-Antwort (Call and Response) Musters
aufzuführen. Dabei mischten sie afrikanische mit europäischen
Instrumenten und sangen in kreolischem Patois.
Nach 1890 verschlimmerte sich die Rassendiskriminierung und Weiße
verdrängten die gebildeten kreolischen Schwarzen aus den besseren
Wohngegenden. So waren sie gezwungen "uptown" zu ziehen.
Dadurch verstärkte sich die Ghettobildung, so war es aber auch
möglich, dass die gebildeten Kreolen auf bluesige und erdige Musik
trafen, die sie vorher so noch nicht kannten. Diese neue, rauere
Musik gepaart mit den Kenntnissen der Kreolen schufen eine neue Form
der Musik.
1897 wurde das erste legale Amüsierviertel in New Orleans
gegründet, was was die Entwicklung des Jazz weiter vorantrieb. Die
wirtschaftliche Situation der Kreolen verschlechterte sich zu dieser
Zeit immer mehr und viele junge Pianisten fanden dort ein neues
Einkommen. Im Laufe der Zeit vermischten sich außerdem die
europäische und afrikanische Kultur immer weiter.
Eine typische Band aus New Orleans bestand damals aus Blechbläsern
und Schlagzeug der Blaskapellen, Klarinetten der eher gebildeten und
einem Banjo oder einer Gitarre aus dem Blues.
Bekannte Musiker aus New Orleans zu Anfang des 20. Jahrhunderts
Buddy Bolden: großartiger Bläser, der jedoch 1907 einen Amoklauf
beging und in einer psychischen Anstalt landete. Er formte die
Elemente der Pre-Jazz Musik um.
Joe "King" Oliver: Kornettist und Lehrer und Mentor von
Louis Armstrong.
Louis Daniel Armstrong: einer der berühmtesten Jazzmusiker, der
das Kornettspiel Anfang des 20. Jahrhunderts in einem Heim für
straffällige Jugendliche lernte.
Sidney Bechet: kreolischer Sopransaxophonist und Klarinettist.
Bechet war neben Jelly Roll Morton und Louis Armstrong einer der
wichtigen Solisten des frühen Jazz.
Jelly Roll Morton: Pianist, Komponist und Bandleader und einer
der einflussreichsten Musiker dieser Zeit.
Freddie Keppard: Korenettist, der als einer der Nachfolger von
Buddy Bolden gilt.
Bunk Johnson: Kornettist und Trompeter. Er gilt als die
Zentralfigur des New Orleans-Revivals.
Wegmarken der 1920er Jahre
1920: Duke Ellington gründet mit Sonny Greer eine
Amateur-Tanzkapelle. Die Prohibition wird eingeführt. Sie fördert
indirekt den Jazz, der in illegalen Kneipen eine dankbare Bühne
findet.
1921: Bessie Smith, die "Königin des Blues" wird zur
führenden schwarzen Sängerin der 20er Jahre.
1922: King Oliver holte Louis Armstrong nach Chicago.
1924: Ethel Waters und andere Entertainer von N.B.C. verbreiten
die neue Musik in ihren Sendungen.
1925: Louis Armstrong nimmt mit den "Hot Five" einige
Alben auf, die später als Jazzklassiker gelten.
1926: Earl Hines ist der erste Klaviervirtuose des Jazz. Junge
weiße Musiker entwickeln den Chicago Jazz, eine schnelle, intensive
Version des New Orleans-Jazz.
1928: In Chicago erhält der Jazz einen schweren Schlag, als
beschlossen wird, entschlossen gegen die organisierte Kriminalität
vorzugehen.
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